Nun ist es also amtlich und der Vorstand des FCB hat mit der Entlassung Klinsmanns die Reissleine gezogen.
Als Bayernanhänger, besonders wenn man mein Alter hat, ist man schon mehr als Leidensfähig was diesen Verein betrifft. Besonders wenn man im Rheinland das Licht der Welt erblickte und dazu noch in einem Haushalt mit Gladbachfans zusammen lebte. Hinzu kam halt die Nähe zum 1. FC Köln, was für Godesberger praktisch der Heimverein ist. Da hatte man schon einen schweren Stand und die Ballsportartisten des FCB haben stellvertretend für mich die Antwort stets auf dem Platz gegeben.
Höhen und Tiefen habe ich erlebt und war nicht sonderlich begeistert, als der Vorstand Jürgen Klinsmann als neuen Coach präsentierte. Natürlich war und bin ich der Meinung, dass der FCB an seine Grenzen gestoßen ist und sich etwas ändern muß, damit man auch international mithalten kann. Aber mußte es Klinsmann sein? Präferiert habe ich ja Jürgen Klopp und war doch entäuscht, als dieser zur Borussia aus Dortmund wechselte. Als Klinsmann dann sein Konzept vorstellte und einen Co-Trainer präsentierte der die BL wahrscheinlich nur von ESPN her kannte, da war ich dann mehr als skeptisch.
Die Einkaufspolitik sah ich nicht sonderlich als Problem, sondern vertrete schon länger die Auffassung, dass man als Verein versuchen sollte, junge Spieler aus den eigenen Reihen aufzubauen und diese an die erste Mannschaft heranzuführen. Von daher hat mich dieser Punkt wenig tangiert und auch die Aussage Klinsmann “Ich will jeden Spieler jeden Tag ein bisschen besser machen,” war für mich eine völlig normale Ansage, denn welcher Trainer möchte nicht seinen Kader verbessern? Allerdings hatte ich so im Umfeld den Eindruck, hier trainiert der Messias persönlich, aber geschenkt.
Was dann kam, das erinnerte mich an das kurze Intermezzo mit Sören Lerby. Es hagelte Pleiten und zeitweise hatte ich das Gefühl, als hätte er den Spielern das Fußballspielen abtrainiert. Sein Konzept warf er schon nach kurzer Zeit über den Haufen und auch die Merkwürdige Haltung gegenüber van Bommel fand ich eines Trainers unwürdig. van Bommel hatte ja nichts getan, was Sanktionswüdig gewesen wäre. Mitte der Saison hatte ich dann die Nase voll als der FCB im Mittelfeld vor sich hin dümpelte und gegen Mannschaften Schwierigkeiten hatte, die während der letzten Saison noch souverän beherrscht wurden.
Teilweise stolperte man völlig verunsichert über den Rasen, einzig in der CL war noch so etwas “wie der alte Glanz” zu spüren. Mir war das ehrlich gesagt zuwenig und hatte diesbezüglich einige Diskussionen mit Lizas Welt der trotz allem noch zu Klinsmann hielt und ihm eine Chance einräumte. Mein Urteil gegenüber Klinsi und seinem Co revidierte ich dann, als die Mannschaft endlich in der Tabelle kletterte und dahin kam, wo der FCB eigentlich hingehört. Da war ich dann Meinung, dass ich mich vielleicht in meinem Urteil getäuscht habe und das Konzept Klinsmanns Früchte trägt, schließlich mun ja nicht alle Maßnahmen verstehen die ein Trainer so macht und umsetzen möchte.Und ich war der Meinung vielleicht hat Liza in seinem Urteil ja doch recht.
Dann allerdings platzte mir der Kragen in der Rückrunde. Plötzlich ging gar nichts und nicht Wolfsburg, sondern das Spiel gegen Barcelona war für mich der persönliche Tiefpunkt. Man kann gegen Barcelona verlieren, man kann sogar mit vier Toren Unterschied verlieren, wenn man kämpft wie sonst was, aber auf mich wirkte die Mannschaft wie klinisch tot und hätten die Ballsportartisten von Barca sich nicht geschont hätte der FCB auch mit 7 Toren Unterschied verloren. -Da sollte ich im Nachhienein den Barcaspielern dankbar sein- Das war ein absolutes Debakel und in der Tat einem FCB unwürdig. Die Mannschaftsleistung offenbarte die ganze verkorkste Saison.
Das jedes Spiel ein Schicksalsspiel ist, da steht der FCB nicht allein. Für Cottbus und seinen Trainer ist schon der Anfang der BL Saison ein einziges Schicksal, das gilt für einen Trainer und die Spieler des FCB noch mehr, da es jedes Jahr um sehr viel Geld geht. Fußball ist mittlerweile Entertainment und ein Millionengeschäft, außerdem hat der FCB einen Ruf zu verlieren. Er ist nicht irgendeine Dorfmannschaft, sondern als Rekordmeister und Rekordpokalsieger der erfolgreichste Traditionsclub.
Warum der Vorstand also einen Novizen genommen hat -denn nationale Erfahrung besaß Klinsmann ja nicht- und sich eigentlich dermaßen blenden ließ, das ist mir ein Rätsel und das sollte sich der Vorstand selber fragen. Tolle Ideen bringen einen Verein nicht unbedingt nach vorne. Ein Trainer muß Fußballverrückt sein (im positiven Sinne) und er muß die Mannschaft mitnehmen können, bei Klinsmann hatte ich dieses Gefühl nicht mal als er Nationalcoach war. Bei den Spielern hatte ich auch nicht das Gefühl, das “die brannten.” Für mich ein Zeichen, dass mit dem Trainer was nicht stimmt, denn komischerweise stand in der letzten Saison ein ganz anderer FCB auf dem Feld. -Wahrscheinlich war der Mathelehrer doch nicht so verkehrt-
Nun soll es also der Juppi richten und der verbleibenden Zeit, er muß sich ja nur auf die BL konzentrieren, wenigstens noch retten was zu retten ist.
Ich hoffe die Führungsetage hat aus der Ära Klinsmann gelernt und wird seine Schlüsse daraus ziehen. Wer als Trainer kommt ist mir, ehrlich gesagt, relativ wurscht, aber ich hoffe es ist ein Trainer der den Ballsportartisten neues Leben einhauchen kann und wir in der nächsten Saison wieder einen FCB erleben, der den Ballsport auf dem Rasen zelebriert und auch endlich wieder International mitspielt. Auch hoffe ich und wünsche mir Spieler, die begreifen was es heißt das Leibchen des FCB “tragen zu dürfen.”